Die beiden Streithähne

Wie ihr ja wisst, habe ich meine Hühner selbst ausgebrütet. Mir war dabei schon klar, dass es durchaus möglich ist, dass bei der Sache mehr Hähne als Hennen raus kommen können.
Ich habe natürlich gehofft, dass es nicht so ist aber hatte leider kein Glück.
Meine Ausbeute: 2 Hennen, 4 Hähne.

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Einer der Hähne wurde ja schon recht früh vom Marder geholt. Ein Schock, aber für den Hahn ein schnelles Ende. Der zweite Hahn hat uns kurz nach Weihnachten verlassen und wohnt nun bei Verwandten von unseren Nachbarn als Herr über 12 Hennen. Das gefällt ihm bestimmt besonders gut. Endlich hat er eine Hühnerscharr, die seinem Ego entspricht.

So blieben noch zwei weiße Hennen und die beiden Hähne. Eigentlich haben sich die Hähne immer gut miteinander verstanden. Ich habe nicht ein Mal mitgekriegt, dass es Streit zwischen den beiden gab. Auch in meinem Hühnerbuch stand geschrieben, dass zwei Jungs (solange sie sich seit Kükenzeiten kennen) gut miteinander aus kommen, solange sie genug Platz haben um sich auch mal aus dem Weg zu gehen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA   Also war alles harmonisch. Bis letzten Samstag. Wir saßen gemütlich auf dem Sofa und haben uns über die ersten Sonnenstrahlen gefreut, als ich plötzlich gesehen habe, dass die beiden Hähne sich streiten. Der Mann sagte, dass ich sie einfach machen lassen soll, da sie es bestimmt unter sich aus machen. Genau das war auch so erstmal mein Instinkt. Es ist ja normal im Tierreich, dass es Streit gibt, und dass man sich danach wieder verträgt.

Ich habe die beiden dann vom Sofa aus weiter beobachtet und mich plötzlich gewundert, warum der helle Hahn so rot am Hals ist…Das kann doch kein BLUT sein?!

Also bin ich in Windeseile hin gelaufen, habe auf dem Weg noch nach dem Mann gerufen und tatsächlich: Der helle Hahn war voller Blut. Auch der bunte Hahn schien etwas abgekriegt zu haben.
Ich habe mir dann den ersten Hahn gegriffen, den ich zu fassen bekommen habe. Als der Mann da war hat er sich den zweiten vorgenommen.

Zum Glück sah es schlimmer aus, als es in Wirklichkeit war.
Der helle Hahn hat dem bunten ein Stück aus dem Kamm raus gerissen, was natürlich höllisch blutete. Aber gottseidank habe ich außer dieser Verletzung und ein paar kleinen Kratzern nichts Schlimmeres feststellen können.

So schloss sich die nächste Überlegung an: Was tun wir nun?
Die beiden mussten auf jeden Fall getrennt werden. Ich hatte zum Glück vor einiger Zeit schonmal einen Notfallplan für ein verletztes Huhn auf die Beine gestellt. Im Gästebad im Erdgeschoss gibt es eine Dusche, welche wir nur zum Abwaschen von Eimern und zum Verstauen von unseren Putzutensilien nutzen.
Also habe ich diese Dusche kurzerhand in ein temporäres Hühnerheim umfunktioniert. Ich habe sie mit Zeitung ausgelegt, Futter und Wasser rein gestellt und den bunten Hahn dort rein gesetzt. Duschtür zu: Krankenstall fertig!
Begeistert war der Hahn absolut nicht, aber für den Übergang musste es gehen.
Ich habe mich dann sofort an den PC gesetzt und bei Ebay Kleinanzeigen inseriert: Hahn dringend abzugeben.

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Es haben sich erstaunlich schnell mehrere Menschen gemeldet. Am besten gefallen hat mir eine Frau aus Bockenem, deren Hahn vor ein paar Tagen gestorben ist, und die nun Ersatz suchte.
Die Dame sagte, dass ich meinen bunten Hahn sogar noch am selben Tag dort vorbei bringen könnte und dass er eine Stelle auf Lebenszeit hätte.

Gesagt, getan: Also waren wir nur noch kurz mit den Hunden draussen und haben dann den Hahn aus der Dusche in eine Kiste umquartiert, diese ins Auto verladen und sind los gefahren.

Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich war, dass das alles so schnell möglich war.
Ich hätte absolut kein gutes Gefühl dabei gehabt, den Hahn über Nacht in der Dusche zu lassen!
Und nun hat er auf dem Hof in Bockenem ein schönes Leben als einziger Hahn.

Besser geht es doch gar nicht!

Dem hellen Hahn, den ich nun noch zusammen mit den zwei Hennen bei mir habe, geht es blendend. Er versteht sich wohl als Sieger des Gerangels und ist so frech und zutraulich wie eh und je.
Er passt gut auf seine beiden Hennen auf und genießt den Frühling in unserem Garten…Huhn müsste man sein!

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Winter-Hühner: Ei, Ei, Ei!!!

Mittlerweile ist einiges an Zeit ins Land gestrichen und es ist Winter geworden.
Die Arbeit, die ich im Winter mit den Hühnern habe, ist schon ein bisschen mehr als im Sommer. Vielleicht kommt es mir aber auch nur vor, denn bei -16 Grad macht es auch nicht immer wirklich Spaß sich im Garten rum zu treiben, nur um mal kurz mit den Hühnern zu kuscheln.
Es gibt aber auch erfreuliche News:
Ich bin super, duper, mega stolz, da meine beiden Hennen im Januar endlich angefangen haben Eier zu legen.

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Eines Morgens habe ich den Stall nach ein paar Tagen Auszeit mal wieder komplett unter die Lupe genommen.
Unglaublich aber wahr: In einem Nest lagen 5(!!!) winzig kleine, süße Eier.
Bei der bitteren Kälte (als ich es wirklich am wenigsten erwartet habe), haben sie angefangen Eier zu legen. Jeden Tag eins (ob sie sich wohl abwechseln?).
Das war natürlich eine riesen Freude. Ganz stolz habe ich Fotos von den Mini-Eiern gemacht und auch die Eier an sich an meine Eltern und meine Oma verteilt. Sie waren genauso begeistert wie ich. Ich muss schon zugeben, dass ich vielleicht sogar so etwas gespürt habe wie „Stolz“.
Ihr müsst wissen: Ich habe die Hühner ausgebrütet, die nun diese Eier gelegt haben. Das ist es doch fast schon so, als ob ich sie selbst gelegt habe 😀
Nun ja, seit dem kann ich jeden Tag ein kleines, süßes Ei aus dem Stall holen.

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Bald muss ich wohl anfangen einmal in der Woche zu backen, damit dann auch alle Eier anständig verbraucht werden.
Also nächste Woche an dieser Stelle: Ein Back-Tutorial 😀

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Große Gefahr

Tagsüber durften die Hühner selbst wählen, ob sie im Stall oder im Auslauf sein wollten.
Es ging auch immer alles gut…
…Bis ich eines Tages von der Arbeit kam und hörte, dass ein riesen Piepen aus dem Garten kam.
Ich hab sofort gewusst, dass etwas passiert sein muss, denn so ein Piepen habe ich vorher noch nie von den Kleinen gehört.
Ich lief so schnell ich konnte in den Garten. Auf halber Strecke sah ich wie ein riesiger Raubvogel direkt neben dem Auslauf weg folg.
Als ich hinten ankam sah ich, dass er die Überreste von einem meiner Küken fraß.
Es war zwar ein absoluter Schock, aber zum Glück habe ich schon von Anfang an versucht eine gewisse Distanz zu den Hühnern zu haben. So haben sie zum Beispiel auch alle keinen Namen bekommen. Natürlich wird man mit der Zeit erfinderisch und spricht vom „gelben“ oder „braunen“ Hähnchen oder vom „Haupthahn“ aber es ist schon etwas anderes, als wenn man sie jetzt Hugo, Berta und Erna nennen würde.
Was war also passiert?! Drei von den kleinen Hühnern müssen sich entschieden haben einen Ausflug in den Garten zu unternehmen und sind unter dem Zaun durch gekrochen.
Leider war ich ja nicht dabei und habe auch keine Überwachungskamera aufgestellt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ein Marder einem der Hähnchen zum Verhängnis geworden ist.
Ich ersparte euch die Details, aber Marder interessieren sich bei Hühnern wohl nur für den Kopf…da die arme Hühner-Leiche eben diesen nicht mehr hatte, gehe ich davon aus, dass der Marder das Huhn kurz und (ziemlich sicher) schmerzlos erledigt hat, den Kopf weg schleppte und den Rest einfach liegen ließ, was besagter Raubvogel ausnutzte und sich über ein leckeres Mal freute.
Tja, das ist der Lauf des Lebens…Natürlich hat es mich geschockt. Und Selbstverständlich wäre es mir lieber, wenn alle meine Haustiere ewig leben würden, aber wir wissen ja auch, dass dies nicht der Realität entspricht.

Außerdem muss man auch einfach mal ehrlich zu sich selbst sein:
Ich esse Fleisch!
Zwar esse ich wenig Fleisch und achte auch immer darauf, dass es aus artgerechter Haltung kommt, aber ich esse es.
Ich persönlich finde es nicht schlimm, dass Tiere geschlachtet werden. Das ist der Lauf des Lebens. Löwen, Hunde und Katzen würden schließlich auch nicht auf einmal auf die Idee kommen, sich ab sofort nur noch vegetarisch (oder vielleicht sogar vegan) zu ernähren.

Ein kurzer Exkurs:
Das was ich an unserer Gesellschaft schlimm und verstörend finde ist nicht, dass die Tiere geschlachtet werden. Es ist die Art wie wir sie behandeln bevor sie geschlachtet werden.
Sie werden unter den schlimmsten Bedingungen gehalten und unter Qualen geschlachtet.
Das ist der Punkt, den ich grausam finde. Deshalb versuche ich alles dafür zu tun, solches Fleisch zu boykottieren und darauf zu achten, dass die Tiere ein gutes Leben und einen schnellen Tod hatten.
Für mich gehört eben dieses zum „Respekt vor dem Leben“.
Aber gut, ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr auf die Ethik eingehen, da es ein wirklich umfangreiches Thema ist.

Zurück zu den Hühnern. Die verbliebenen fünf Hühner waren sichtlich geschockt von den Ereignissen und haben den ganzen Tag ihren sicheren Stall nicht mehr verlassen.
Ich weiß nicht, ob es wirklich mit diesem Vorfall zusammen hängt, aber seit diesem Tag hat auch keines der Hühner mehr einen Ausflug in den Garten unternommen.

Umzug in den großen Stall

In der ersten Nacht, die meine Kleinen draußen verbrachten schlief ich denkbar schlecht. Bei jedem Vogel-Piepsen dachte ich, dass es vielleicht doch ein Raubtier geschafft hat, sich Zugang zum Hühnerstall zu verschaffen. Der Mann beruhigte mich jedes Mal.
Und wie sich am nächsten Morgen zeigte, hatte er Recht gehabt.
Den Küken ging es gut und sie warteten ungeduldig darauf, dass ich sie in ihren Auslauf lies.
Von da an schlief ich jede Nacht ein bisschen besser (und die Hühner bestimmt auch…)

Die große, weite Hühner-Welt

Nach ein paar Wochen stand dann der erste Ausflug in den Garten an.
Ihr könnte es euch nicht vorstellen:
Sie fanden es schrecklich! Sie haben sich in einer Ecke des Auslaufs gesammelt, versucht sich unter einander zu verstecken und wild um ihr Leben gepiept.

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Na toll! Wie sollte ich diesen kleinen Angsthasen nur erklären, dass sie später mal im Garten wohnen würden? Also habe ich alle sechs wieder eingepackt und in ihren geliebten Karton gebracht. Dort sind sie vor Erschöpfung alle sofort eingeschlafen.

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Der nächste Versuch war schon um einiges erfolgreicher. Zwar waren sie bei Weitem noch nicht entspannt, sie „schrien“ aber auch nicht mehr um ihr Leben.
Ich habe sie 15 Minuten unter meiner Aufsicht im Auslauf gelassen und dann wieder rein gebracht. Auch diesmal schliefen sie vor Erschöpfung sofort ein.
Von da an ging es bergauf. Ich hatte des Gefühl, dass sie es von Mal zu Mal besser fanden draussen zu sein.

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Irgendwann fingen sie auch an im Rasen nach Insekten zu suchen, zu picken und sich so zu benehmen, wie es Hühner normalerweise tun.
Somit wurden die Ausflüge in den Garten auch von Tag zu Tag länger.
Gleichzeitig wuchsen sie wie kleine Monster.
Schnell waren sie eigentlich zu groß für ihren Karton (der im Übrigen die Größe eines Sarges hatte). Eigentlich hätten sie zu diesem Zeitpunkt schon in ihren Stall im Garten umziehen können. Aber ich hatte Angst, dass es ihnen Nachts doch noch zu kalt wird. Wir wollen ja nicht, dass sie sich erkälten.
Also haben wir sie morgens immer in den Garten getragen, wo sie den Tag verbrachten, nur um sie abends wieder in ihren Karton zu bringen.
Zum Glück wurde es schnell wärmer, sodass sie auch nachts draußen schlafen sollten.
Denn ganz ehrlich:
Hühner sind einfach keine „Haus“-Tiere. Das Zimmer in dem ich den Karton stehen hatte, hatte schon den Geruch der Hühner angenommen und anhand der kleinen Häufchen, die sich überall im Zimmer verteilten, wusste ich, dass sie auch Nachts Ausflüge außerhalb ihres Kartons und durch das ganze Zimmer unternahmen, auch wenn sie jeden Morgen alle sechs wieder brav in ihrem Karton saßen und mich an piepsten als ob sie sagen wollten „Da kommst du ja endlich, wir haben schon auf dich gewartet“.

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Das Schlüpfen

Nach 21 Tagen war es dann so weit. Das erste von sechs Küken schlüpfte. Es war ganz klein, piepsig und nass.

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Ich holte es vorsichtig aus dem Inkubator und setzte es in den vorbereiteten Karton mit Rotlichtlampe.

Anfangs schien der Karton riesig zu sein.
Ein Küken nach dem anderen schlüpfte und wurde umgesetzt. Nach ca. 12 Stunden war das große Schlüpfen beendet.

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Die nächsten Tage bestand die Hauptaufgabe im Füttern. Küken (und auch Hühner) sind echt pflegeleichte Tiere. Sie brauchen Futter und Wasser, einen sicheren Schlafplatz und schon sind sie zufrieden.
Man hat von Anfang an charakterliche Unterschiede bei den Küken gemerkt. Das „gelbe Küken“ war schon immer mega entspannt und hat den Kontakt mit mir genossen. Wenn man es vorsichtig auf den Rücken gelegt und am Bauch gestreichelt hat, ist es regelmäßig eingeschlafen. Andere Küken wollten lieber ihre Ruhe haben und konnten sich nur für mich begeistern wenn ich neues Futter brachte.
Sie wuchsen schnell und fraßen wie kleine Scheunendrescher!

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